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Der richtige Zeitpunkt vor oder hinter der Kamera

Es passiert mir schon das zweite Jahr. Ich mache kaum Bilder an Weihnachten. Sonst fange ich immer ein bisschen Stimmung ein, mache die klassischen Familienbilder, natürlich den Baum in schönem Licht…. aber dieses Mal musste ich mich fast schon dazu zwingen, noch ein

Bild zu machen.

Das kenne ich eigentlich nur von anderen, die offiziell auffordern, „Soo…. wir machen jetzt noch ein Foto alle zusammen….“ – bei mir „passiert“ das Fotografieren ja mehr nebenher. Ich kann eigentlich nicht anders. Ich sehe das Foto schon bevor ich es mache. Und das muss dann eben auch festgehalten werden.

Andererseits bin ich ja auch großer Fan vom nicht-immer-alles-ständig-fotografieren. Manchmal muss man den Moment auch einfach selbst richtig erleben. Nicht an das Foto denken oder durch einen Sucher schauen, sondern selbst das Foto im Kopf haben, eine richtige Erinnerung, von etwas bei dem man dabei war und es erlebt hat.

Das kennen wohl die meisten Fotografen. Meist hält man diese Moment für andere Menschen fest. Und das ist herrlich und wie ich finde auch oft eine Ehre, dass man so etwas miterleben darf. Und das entstandene Foto ist von unschätzbarem Wert. Aber wenn man eben selbst Teil des Ganzen ist, so ist es nicht schön sich da heraus zu nehmen und auf die andere Seite zu gehen und ein Foto davon zu machen.

Dafür sind eben die Fotografen da. Und daher plädiere ich auch immer dafür, sich tatsächlich zu leisten einen Fotografen zu engagieren, damit eben keiner aus der Familie – ungeachtet derer Fähigkeiten – herausgerissen wird, sondern im Geschehen dabei bleiben kann.

Konzerte, Timing

Timing

Ich hatte gestern ein Geburtstagsfeier-Shooting und die absolute Schwierigkeit bei solchen Events, wie zum Beispiel auch Hochzeiten, ist das Timing. Natürlich umso schwieriger je weniger man über die jeweiligen Personen weiß. Denn oft sind es die kurzen Momente und kleinen Gesten, die für Personen große Bedeutung haben. Diese dann Einzufangen und Festzuhalten macht meist den Unterschied zu „netten“ und „großartigen“ Bildern aus. Natürlich muss man sich auf seine Ausrüstung verlassen können. Da ich eine neue Kamera und ein neues Objektiv habe, spiele ich noch viel mit den Blenden und Einstellungen herum.

Wahrscheinlich muss man einfach allzeit bereit sein. Und einen Blick für diese besonderen Momente setze ich einfach mal voraus.

Es ist schon lustig. Dadurch, dass immer mehr Digitalkameras im Einsatz sind oder bei solchen Gelegenheiten auch ein iPhone im richtigen Moment das wichtige Bild schießen kann, entsteht fast schon eine Art kleiner Wettkampf. Darauf darf man sich natürlich nicht einlassen, sonst ist die Konzentration und vor allem die Aufmerksamkeit dahin.

Aber es ist schon wahnsinn, wenn man bedenkt, dass von allem und jedem mittlerweile Fotos gemacht werden. Besonders regt mich das ja bei Konzerten auf. Und ich muss gestehen, ich gehöre selbst zu den Leuten im Publikum, die gerne einen Teil filmen und schöne Fotos machen. Und der Grund ist ja einfach nur, dass man das Konzert und die Musik so toll findet und alles so aufregend und man ergriffen ist, dass man sich ein Stück davon mit nach Hause nehmen möchte. Nur seitdem ich statt Köpfen vor mir nur noch Handydisplays habe und Leute sich nur noch auf ihre Aufnahmen konzentrieren, habe ich mir geschworen am Anfang oder der Mitte oder wann, einmal konzentriert ein paar (!) Fotos zu machen und mich dann wieder auf den Event dort zu konzentrieren. Denn ich hatte auch schon die Situation, dass ich gar nichts wirklich selbst erlebt hatte. Ich hab mir die Fotos angeschaut und dachte, ach wow, so sah das da aus, das habe ich ja gar nicht mitbekommen. Es gab einfach keine wirkliche Erinnerung – da bringt mir das Foto zu Hause auch nur wenig. Denn eigentlich macht das Foto ja erst die Erinnung dazu wertvoll.

Kurz gegooglet, ist hier ein Bildbeispiel.

Früher – und ich komme mir wirklich alt dabei vor, dass so zu formulieren – sah man da noch Köpfe von Menschen, die sich das Konzert anschauen…

Und ich weiß ja nicht, aber ist nicht das coole auf Konzerten, dass man gemeinsam auch mal hüpft und springt und klatscht und mitsingt und einfach Spaß hat? Man ist doch wegen der Musik da?

Das kann man ja alles vergessen, wenn man eine halbwegs vernünftige Aufnahme machen will. Und ich hatte das auch schon, dass ich gefilmt habe und um mich herum sind alle gesprungen und hatten Spaß während ich starr dastand und mich aufgeregt habe, dass jemand mitsingt und zu laut an meinem Mikro ist … schlimm.

Also wie gesagt. Ich habe es aufgegeben. Es wird sowieso alles so gut dokumentiert, man bekommt genügend Bilder im Netz und wahrscheinlich auch die Hälfte bei YouToube. Aber dazu hat ja auch jeder Zugang – ob er beim Konzert war oder nicht. Dort waren eben nur die Leute dort. Und das kann man nicht ersetzen.

Also Handys einpacken und die Wirklichkeit erleben!